Was ist eine Any-Any-Regel?
Eine Any-Any-Regel ist eine Firewall- oder Zugriffsregel, die alle Quellen und alle Ziele gleichzeitig erfasst, oft zusätzlich alle Dienste. Sie ist damit die breiteste Form einer Regel im Regelwerk. Ihre Wirkung hängt von der Aktion ab: Als Erlauben-Regel gibt sie sehr viel auf einmal frei, als abschließende Sperr-Regel bildet sie eine sinnvolle Grundhaltung im Sinne von Default Deny. Riskant sind vor allem breite Erlaubnisse, weil sie das Prinzip der geringsten Rechte aushebeln, die Angriffsfläche vergrößern und Auswertungen unscharf machen. Any-Any-Regeln entstehen meist als Übergangslösung und bleiben dann unbeabsichtigt im Regelwerk stehen.
Any-Any-Regel im Detail
Der Begriff kommt aus der klassischen Firewall-Welt und beschreibt eine Regel, deren Bedingungen bewusst offen gelassen sind: beliebige Quelle, beliebiges Ziel, häufig auch beliebiger Dienst. In einem Zscaler-Regelwerk, etwa in der Cloud Firewall von ZIA, ist eine solche Regel schnell gesetzt und wirkt sofort auf sehr viel Verkehr. Entscheidend ist, was die Regel tut: Eine breite Erlaubnis öffnet pauschal, eine breite Sperre am Ende des Regelwerks fängt alles ab, was keine speziellere Regel getroffen hat.
Damit ist die Any-Any-Regel nicht per se schlecht, sondern kontextabhängig. Problematisch wird sie, wenn eine breite Erlaubnis dauerhaft stehen bleibt und niemand mehr weiß, wofür sie gedacht war. Auch die Position zählt: Eine breite Regel weit oben kann speziellere Regeln darunter unwirksam machen, weil das Regelwerk nach dem Prinzip erster Treffer arbeitet.
Warum sind Any-Any-Regeln im Zscaler-Betrieb wichtig?
Breite Erlaubnisse sind der Gegenspieler von Zero Trust. Wie Any-to-Any-Zugriffe als eigene Kennzahl in den Gesamt-Score einfließen, zeigt unser Video zum Konfigurations-Score. Wer den Zugriff eng an Rollen und Bedarf koppeln will, kann eine pauschale Any-Any-Erlaubnis kaum begründen. Für die Sicherheit heißt das: mehr offene Wege, als jemand aktiv überblickt. Für den Betrieb heißt es: Jede Fehlersuche wird länger, weil eine breite Regel viele Fälle auf einmal beeinflusst und andere Regeln überlagern kann.
Auf der Nachweis-Seite sind Any-Any-Regeln ein typischer Prüfpunkt. Wer nach NIS2 oder DORA belegen muss, dass Zugriffs- und Filterrichtlinien dem Least-Privilege-Prinzip folgen, muss breite Erlaubnisse erklären oder abbauen. Wichtig ist dabei die Reihenfolge im Vorgehen: erst alle Any-Any-Regeln sichtbar machen und bewerten, dann jede riskante Erlaubnis als einzelne, begründete und freigegebene Änderung enger fassen, statt in einer Sammelaktion.
Typische Fehlerquellen
- Breite Erlaubnis als Provisorium: Eine Regel für die Migration bleibt stehen und öffnet dauerhaft mehr als nötig.
- Falsche Position: Eine breite Regel weit oben verdeckt speziellere Regeln, die dadurch nie greifen.
- Vorschnelles Löschen: Wer eine breite Erlaubnis ohne Abhängigkeitsprüfung entfernt, riskiert einen Ausfall.
- Default-Sperre mit Risiko-Regel verwechselt: Eine abschließende Any-Any-Sperre ist gewollt, eine breite Erlaubnis nicht.
Any-Any-Regeln in der Praxis: so hilft CentaurNexus
Die Policy Rule Map von CentaurNexus stellt das ZIA-Regelwerk grafisch dar und hebt Any-Any-Regeln sichtbar hervor, damit breite Regeln nicht in langen Listen untergehen. Die Analyse ist rein lesend und baut nichts um: Jeder Befund bleibt ein Vorschlag, und jede Anpassung erfolgt als einzelne, nachvollziehbare Änderung, die optional per Vier-Augen-Prinzip freigegeben und im append-only geführten Audit-Trail protokolliert wird. So wird aus einer diffusen Sammlung breiter Regeln ein abarbeitbarer, begründeter Vorgang. Wie ein solcher Regel-Review Schritt für Schritt abläuft, zeigt der Leitfaden Ungenutzte Zscaler-Regeln finden und aufräumen.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zur Any-Any-Regel
Eine Any-Any-Regel erfasst alle Quellen und alle Ziele gleichzeitig, oft zusätzlich alle Dienste. Sie ist damit die breiteste Form einer Firewall- oder Zugriffsregel. Ihre Wirkung hängt von der Aktion ab: Als Erlauben-Regel öffnet sie sehr viel, als abschließende Sperr-Regel bildet sie eine sinnvolle Grundhaltung.
Das kommt auf die Aktion und die Position an. Eine breite Erlauben-Regel vergrößert die Angriffsfläche und macht Auswertungen unscharf. Eine Any-Any-Sperre am Ende des Regelwerks ist dagegen die klassische Default-Deny-Absicherung. Kritisch sind vor allem breite Erlaubnisse, die niemand mehr begründen kann.
Häufig aus Zeitdruck: Bei Migrationen, Tests oder Störungen wird eine breite Regel als Übergangslösung gesetzt und später nicht zurückgebaut. Auch Bequemlichkeit spielt eine Rolle, wenn eine breite Erlaubnis schneller ist als saubere, enge Regeln. So bleiben Altlasten stehen, die den eigentlichen Zweck verdecken.
Erst sichtbar machen, dann bewerten: Ist die Regel eine gewollte Default-Sperre oder eine riskante breite Erlaubnis? Breite Erlaubnisse werden schrittweise enger gefasst, begründet und einzeln geändert, idealerweise mit Vier-Augen-Prinzip und einem Snapshot vorab. So sinkt das Risiko, ohne dass ein Umbau neue Störungen auslöst.
Least Privilege verlangt, nur so viel Zugriff zu gewähren wie nötig. Eine breite Any-Any-Erlaubnis steht dem entgegen, weil sie pauschal öffnet, statt gezielt freizugeben. Prüfungen nach NIS2 oder DORA achten deshalb auf solche Regeln: Sie sind schwer zu begründen und ein typischer Befund im Regelwerks-Review.
- NIST SP 800-41 Rev. 1: Guidelines on Firewalls and Firewall Policy - csrc.nist.gov
- BSI IT-Grundschutz, Baustein NET.3.2 Firewall - bsi.bund.de/.../NET_3_2_Firewall
- Zscaler Help Portal: ZIA Cloud Firewall Policy - help.zscaler.com
Hinweis: CentaurNexus ist ein unabhängiges Produkt der SourcingBlox GmbH und kein Angebot von Zscaler, Inc. Produkt- und Markennamen gehören ihren jeweiligen Inhabern.